Kirche in Zeiten von Corona

Grußbotschaft von Bischof Gebhard Fürst (Nürtinger Zeitung, 09.04.2020)

Ökumenische Passionsandachten als Video- und Tonaufnahmen

Die ökumenischen Passionsandachten der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde in Neuffen in der Karwoche wurden als Video aufgenommen und können unter folgenden Links abgerufen werden:

Kurzer Gedanke zum Palmsonntag

Zum Palmsonntag gehört die öffentliche Palmprozession. Dieses Jahr wird es nirgends der Fall sein. Aber sie wird in unseren Herzen stattfinden.

 

Jesus zog in Jerusalem ein. Die Bevölkerung empfing Ihn mit großer Freude. Sie schrie: Hosianna. Sei gesegnet, der kommt im Namen des Herrn. Ob wir die Eucharistie im Fernsehen oder im Internet verfolgen, werden wir uns öffnen, um Jesus mit Freude zu empfangen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten brauchen wir jemanden, der im Namen Gottes kommt. Jemand auf den wir uns verlassen können. Jemand der uns Kraft vermittelt. Sei gesegnet Jesus. Mit der Botschaft Deines Lebens kommst Du zu uns im Namen des Herrn.

 

Die Zeiten sind schwierig. Die schlechten Nachrichten, die uns direkt oder durch die Medien erreichen, verbreiten die Angst in der Bevölkerung. Menschen in unserem Umfeld brauchen jemanden, der zu ihnen kommt oder zu ihnen spricht im Namen des Herrn. Heute hat Jesus aber keine anderen Augen, um Menschen mit Liebe anzuschauen als unsere Augen. Er hat keinen anderen Mund, um Menschen zu trösten und zu ermutigen, als unseren Mund. Er hat kein anderes Herz, um Menschen eine Heimat anzubieten, als unser Herz. Er hat keine anderen Ohren, um einsame Menschen Zeit zu schenken, als unsere Ohren. Gehöre ich zu denjenigen, die durch Wort und Tat Hoffnung oder Angst verbreiten?

 

Mit dem Palmsonntag beginnt die heilige Karwoche. Im Gebet und in der Betrachtung der Heiligen Schriften begleiten wir Jesus auf Seinem Weg. Als Kirchengemeinde am Ort unterlassen wir es aber nicht, Jugendliche und Alte, Kranke und Gesunde auf ihrem Weg zu begleiten. Dann wird Ostern kein leeres Wort bleiben.

 

Pfarrer Achille Mutombo

Karwoche 2020 in der Seelsorgeeinheit Hohenneuffen ohne öffentliche Eucharistiefeier

Mit dem Palmsonntag beginnt die heilige Karwoche. Jesus tritt in Jerusalem ein. Mögen wir es zulassen, dass Er in unsere Herzen eintritt. Auch ohne öffentlichen Gottesdienst können wir Ihn aufnehmen und Ihm in Gedanken, Worten und Werken sagen: Gesegnet sei der da kommt im Namen des Herrn.

 

Am Montag hören wir das Evangelium nach Johannes 12, 1-11. Eine Frau, Maria, salbt Jesus die Füße mit kostbarem Öl und trocknet sie mit ihrem Haar. Da sie Jesus liebt, berechnet sie nicht, was dieses Öl kostet. Mögen wir auch Jesus ohne Vorbehalt das Kostbarste schenken, was wir haben.

 

Am Dienstag würden im normalen Fall alle Priester vom Bischof zur Chrisammesse nach Rottenburg eingeladen werden. Vorgesehen ist die Erneuerung ihres priesterlichen Versprechens und die Weihe der heiligen Öle, die für die Spendung der Sakramente notwendig sind. In der Chrisammesse lesen wir aus dem Lukasevangelium 4, 16-21: Der Geist des Herrn ruht auf mir. Mögen wir uns auch fragen, von welchem Geist unsere Worte, unsere Gedanken und unsere Handlungen beseelt werden. Vom Geist des Herrn? Von unserem eigenen Geist? Von einem anderen Geist? Die Chrisam-Messe wird in diesem Jahr leider nicht stattfinden.

 

Am Mittwoch berichtet das Evangelium nach Matthäus 26, 14-25 über den Verrat von Judas. Ausgerechnet jemand, der zum engsten Kreis Jesu gehört, verrät ihn. Er ist äußerlich mit Ihm, ohne innerlich bei Ihm zu sein. Er nimmt teil am Abendmahl im Obergemach. Seine Gedanken sind aber woanders. Am tiefsten wird der Mensch nicht so sehr von den Feinden als vielmehr von den Freunden verletzt. Judas redet nicht direkt mit Jesus. Er redet über Ihn mit anderen. Bin ich wirklich was ich zu Jesus im Gebet und zu anderen sage? Stimmen Verpackung und Inhalt überein?

 

Am Gründonnerstag erinnern wir uns an die Einsetzung der Eucharistie. Im dem Brief an die Korinther 11, 23-26 schreibt Paulus: Ich habe euch das weitergegeben, was ich vom Herrn empfangen habe. Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Die Corona-Krise hat bei allen gezeigt, wie echt und wie tief ihre Sehnsucht nach der Eucharistie ist. Bruder Klaus von Flüe konnte nicht darauf verzichten, weil er die Länge, die Breite, die Höhe und die Tiefe dieses großen Geheimnisses erlebt hatte. Und ich? Wo stehe ich? Die Anbetung, die am Gründonnerstag Abend normalerweise stattfindet, dient dazu, den Glauben an diese Gegenwart Christi in der Eucharistie zu vertiefen. Bleibt hier und wachet mit mir. Wachet und betet.

 

Am Karfreitag hören wir die Passionsgeschichte nach Johannes 18-19, 42. Vor dem unbegreiflichen Leiden Jesu und dem unbegreiflichen Leiden in der Welt schweigen wir. Wir hören innerlich die Sieben letzten Worten Jesus am Kreuz. Wir bewahren sie in unserem Herzen und denken darüber nach. In den langen Fürbitten denken wir besonders an die Opfer der Corona-Krise.

 

Karsamstag ist der einzige Tag des Jahres, da es keine Eucharistiefeier gibt. Wir denken an Jesus, der hinabgestiegen ist in das Reich der Toten.

 

In der Osternachtliturgie hören wir im Evangelium nach Lukas 24, 1-12: Sucht nicht den Lebenden unter den Toten. In unseren Begegnungen wollen wir auch österliche Menschen werden. Menschen, die das Positive sehen und unterstreichen.

 

Christ ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

 

Pfarrer Achille Mutombo

Ministrantenstunde in Zeiten von Corona

Was tun am Freitag um 18 Uhr? Na klar, wir haben Ministunde! Uns kann kein Virus, keine Quarantäne die gute Laune verderben. Jetzt erst recht!

Zwar treffen wir uns nicht in unserem Jugendraum an der Kirche, aber die sozialen Medien machen fast alles möglich.

So trafen die Minis sich vor zwei Wochen in Ihrer WhatsApp-Gruppe um Tabu zu spielen. Alexandra hat uns Begriffe erklärt, wir haben geraten.

 

Und so sah das dann aus:

Alexandra: „Im Sommer“

Lousia: „Baden“

Mia L.: „Schwimmen“

Lena: „Hitze“

Alexandra: „auf der Lauter“

Louisa: „Sonnencreme“

Valentin: „ Eis essen“

Lousia: „Boot“

Mia L.: „ Freibad“

Fabian: „Angeln“

Felix: „Kanu“

Alexandra: „RICHTIG! Punkt für Felix“

Alexandra: „ Oft im Wald“

Theresa: „Baum“

Mia K.: „ Bären“

Louisa: „Baum“

Theresa: „Reh“

Alexandra: „da kann ich auch drin wohnen“

Valentin: „Hochsitze“

Theresa: „ Einhorn“

Fabian: „Fuchs“

Mia L.: „Hütte“

Alexandra: „RICHTIG! Punkt für Mia“

Und so weiter und so weiter, spielten 12 Minis um Begriffe.

Der Chat stand nicht still und die zwei Stunden Ministunde daheim vergingen wie im Flug.

 

Letzte Woche trafen wir uns dann im Skype-Chat. So konnten wir uns alle endlich mal wiedersehen! Wir spielten unser Lieblingsspiel „Werwolf“. Vorher schauten wir im Fernsehen noch das Gebet und den „Urbi et Orbi-Segen“ von Papst Franziskus. Wir erinnerten uns an unsere Ministrantenwallfahrt und unsere Begegnungen in Rom. Damals war der Petersplatz voll mit Ministranten aus aller Welt, dieses mal ging Papst Franziskus den schweren Weg alleine, wir waren alle in Gedanken bei ihm.

 

Diese Woche basteln wir unsere Osterkerzen. Jeder Mini hat eine Kerze mit Wachs vor die Tür gestellt bekommen. Ostern findet statt. Jesus ist auferstanden und das wollen wir zusammen feiern, auch wenn es dieses mal nur von zuhause aus sein kann. Die Fotos unserer Kerzen zeigen wir Euch nächste Woche.

Wir vermissen unsere Treffen und die Gottesdienste mit all den lieben Menschen! Passt gut auf Euch auf!

 

Und bis wir uns mal wiedersehen, halte Gott Euch fest in seiner Hand!

 

Eure Minis

Mitmachandacht

Ostern ist nun vorbei, doch Gottes Zusage an uns bleibt. Wir können davon in der Bibel im Buch der Psalmen lesen.

Psalmen sind Lieder, sie sind Gebete, die uns in allen Lebenssituationen begleiten. Sie begleiten uns auch in dieser nachösterlichen Zeit, in dieser Zeit, in der unser Leben etwas anders abläuft, wie wir es sonst gewohnt sind. In einem Psalm steht z.B.: "Gott füllt meinen Becher bis zum Rand, er füllt ihn bis zum Überfließen." Das ist Gottes Zusage an uns, dass er immer an uns denkt, dass er uns gut will und sich um uns sorgt.

 

Das können wir ganz praktisch bei einer Mitmachandacht* erfahren, in der wir einen leckeren fruchtigen Cocktail zubereiten.

 

Du brauchst dafür einen grossen Cocktailbecher, Eiswürfel, einen Strohhalm, Obstspalten zum Dekorieren. Der Fruchtcocktail besteht aus Mangosaft, Ananassaft, Maracujasaft und etwas Grenadine, je nach Geschmack kann der Cocktail noch mit saurem Sprudel aufgefüllt werden...bis zum Rand. :-) Oder Du mischst Dir alternativ einen Cocktail Deiner Wahl.

 

Es steht in Psalm 23,5b: "Gott füllt meinen Becher bis zum Rand." Ich wünsche Dir, dass Du das in Deinem Leben erfährst: dass Gott es gut mit Dir meint, dass er Dich großzügig beschenkt und du bei ihm niemals zu kurz kommst. Er schenkt Dir voll bis zum Rand ein. Lass es Dir schmecken!

 

Wenn Du magst, kannst Du Dir die Mitmachandacht auf dem YouTube Kanal „Seelsorgeeinheit Hohenneuffen“ anschauen.

 

Ich freue mich schon auf unser Wiedersehen, bis dahin wünsche ich Dir, dass Du immer wieder Momente erleben kannst, in denen Du spürst, dass Gott da ist und er auf Dich Acht gibt.

 

 Eure Jugendreferentin, Thuy-Van Becker

 

 (*nach einer Idee aus: "praystation - 99 Gebetsstationen für die Arbeit mit Jugendlichen und in der Gemeinde")

Hoffnung hamstern

So vieles ist momentan abgesagt, Gottesdienste, Gruppentreffen, jegliche Zusammenkünfte - wir sind gezwungen daheim zu bleiben und auf liebgewonnene Begegnungen und Gewohnheiten zu verzichten.

 

Verbote, Verzicht, Sorgen und Ängste prägen nun unseren Alltag - mein Magen zieht sich ein wenig zusammen, wenn ich daran denke. Merkwürdig sind die wenigen Begegnungen, die ich beim Einkaufen und Spazieren gehen erlebe. Menschen grüßen einander verstohlen, rücken so weit wie möglich voneinander ab. Wie lange wird diese Ausnahmesituation wohl noch andauern? Was bleibt uns jetzt noch? Plötzlich fallen mir wieder die Hamsterkäufe ein, die leeren Regale, das Dutzend an Toilettenpapierwitzen, die ich mittlerweile kenne.

 

In den Sozialen Medien und in den Zeitungen lese ich von vielen Hilfsangeboten der Vereine und Kirchengemeinden, Nachbarschaftshilfen, die sich organisieren, Einzelne, die gerne helfen möchten.

Auch technisch laufen die Kirchengemeinden zur Hochform auf und versuchen auf jede erdenkliche Weise für ihre Gemeindemitglieder da zu sein - Gottesdienste und wunderschöne geistliche Impulse werden via Internet übertragen.

 

Ich schaue hinaus, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, Bäume und Blumen blühen auf. Ich schließe die Augen und nehme diesen Augenblick in mich auf. Es fühlt sich so normal an, Zuversicht macht sich in mir breit.

 

Es ist nicht alles abgesagt:

Solidarität ist nicht abgesagt.

Mitgefühl ist nicht abgesagt.

Nächstenliebe ist nicht abgesagt.

 

Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Der Knoten in meinem Magen lockert sich. Das bedrückende Gefühl in der Brust lässt nach.

 

Ich schreibe eine Liste, von positiven Dingen, die bei mir NICHT abgesagt sind:

Sonne, Frühling, Spielen und Basteln mit meinen Kindern, Lesen, Musik hören, singen, im Garten sein, Gespräche und Austausch über Telefon, Handy und WhatsApp; Familie, Freundschaft, Beziehung, Liebe, Hoffnung, Beten...

 

Was ist für bei Dir nicht abgesagt?

Was ist jetzt nicht einfach vorbei?

Was kannst Du jetzt besonders wertschätzen?

 

Was wäre, wenn wir nicht versuchen bloß Materielles zu hamstern, sondern auch anderes, etwas, das uns innerlich nähren und stärken kann?

 

Wir könnten Hoffnung hamstern. Momente der Hoffnung, des Glücks und der Zuversicht.

 

Eines Tages wird es dann endlich vorbei, sein, wir werden unseren gewohnten Alltag wiederhaben, Kinder werden wieder in den Kindergarten und in die Schule gehen können, sie werden wieder miteinander auf den Spielplätzen toben und spielen.

Wir werden einander wieder offen und froh begegnen können, ohne voneinander abrücken zu müssen, ohne uns voneinander abzuwenden und die Distanz zu suchen.

Und es wird sich anfühlen wie eine Auferstehung. Ein Befreitsein von all jenem, das uns nun bedrückt.

 

Eine bekannte Geschichte von Hoffnung und Zuversicht ist die Ostergeschichte. Sie ist Gottes Zusage an uns, dass er für uns da ist, dass er uns liebt. Ein Zuspruch, der immer gilt und gerade jetzt passender denn je ist.

 

In der kommenden Woche werden wir Ostern auf eine neue und nur sehr begrenzte Weise feiern können: Jeder Einzelne, jede Familie für sich daheim.

 

Die Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit Hohenneuffen möchten jeden ermutigen einen Rahmen zu finden, wie er Ostern gut in einem kleinen Kreis feiern kann. Wir werden ein Angebot dazu im Laufe der kommenden Woche auf den Homepages der Kirchengemeinden veröffentlichen. Bitte schau einfach immer wieder auf die Homepage und gib die Adresse weiter, sodass so viele Gemeindemitglieder wie möglich dieses Angebot nutzen können. Es wird Material zum Ausdrucken geben, eine Linkliste und auch Videos.

 

Jugendreferentin Thuy-Van Becker

Projekt "Wir seh´n uns"

„Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander seh'n, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege geh'n. Gut, dass wir nicht uns nur haben, dass der Kreis sich niemals schließt und dass Gott, von dem wir reden, hier in unsrer Mitte ist.“ (Manfred Siebald)

 

...gut, dass wir einander seh'n...´Momentan ist das leider nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Wir möchten mit unserem Gemeinschaftsprojekt „Wir seh'n uns!“ versuchen diese Distanz zu überbrücken. Es handelt sich dabei um den Youtube Kanal "Seelsorgeeinheit Hohenneuffen", der von Menschen aus unserer gesamten Seelsorgeeinheit gestaltet wird. Du findest ihn hier.

 

Über die Ostertage wird es auch einige Aufzeichnungen mit Pfarrer Mutombo geben, sodass wir über Ostern neben den Fernsehgottesdiensten auch ein bekanntes Gesicht sehen. Ich bin schon sehr gespannt darauf und freue mich, mit Euch über Ostern auf diese Weise verbunden zu sein.

 

Jeder ist herzlich eingeladen mitzumachen, auch DU! Bringe Dich mit Deinen Ideen, Wünschen, Anliegen und Deinem ganz eigenen Talent ein. Melde dich bei mir. Ich bin telefonisch, per SMS oder auch WhatsApp Nachricht erreichbar (Tel.: 0152/26518701). Dort stehe ich auch jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung.

 

Jugendreferentin Thuy-Van Becker