Predigt

Die aktuelle Predigt der Seelsorgeeinheit sowie Informationen zur Kirchengemeinde Klaus von Flüe finden sie hier im Ambo.

Ansprache zu Fronleichnam

Bevor Jesus die 12 Apostel berufen hatte, betete er bekanntlich die ganze Nacht. Das Evangelium vom 11. Sonntag im Jahreskreis berichtet auch darüber, dass Er Mitleid mit den vielen Menschen hatte, die Er sah. Denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe ohne Hirten. Heute feiern wir in Frickenhausen Fronleichnam. Vor dem Gottesdienst hat die Kantorin das Lied gesungen: Lobe Zion deinen Hirten. Jesus, dem wir im heiligsten Sakrament des Altares begegnen, ist in der Tat unser guter Hirte. Zu dir und zu mir sagt Er: Kommt alle zu mir. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Ihm begegnen wir heute in der Eucharistie. Ihn sehen wir heute in der Monstranz. Wie die Apostel damals, so schickt Er uns zu den Menschen mit dem Auftrag, das zu wiederholen, was Er gemacht hat.

 

Liebe Schwestern und Brüder, wie seine Vorgänger, so hält Papst Franziskus jeden Mittwoch eine kurze Katechese. Letztes Jahr hat er der Eucharistie eine ganze Reihe von Ansprachen gewidmet. In der allerersten dieser Ansprachen unterstrich er die Sonntagspflicht. Um es deutlich zu machen erzählt er folgende Geschichte. Es war zu der Zeit der Christenverfolgung. Im Unterschied zu der Lage in Europa heute war es lebensgefährlich, den Namen Jesu in der Öffentlichkeit auszusprechen. An einem Sonntag waren Christen in einem Raum versammelt. Sie feierten die Eucharistie. Verfolger, die im Dienst des Kaisers handelten, kamen herein. Sie verbaten den Christen, den Namen Jesu ins Gedächtnis zu rufen. Die Christen antworteten: Ohne die Eucharistie können wir nicht als Gemeinde weiter bestehen. Die Schlussfolgerung von Papst Franziskus war: Entweder ist die Kirche eucharistiezentriert oder sie stirbt. Bei der gleichen Gelegenheit erinnerte er an die Worte des 2.Vatikanischen Konzils: Die Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. Tiefere Gebetsformen gibt es deshalb nicht, weil sie die Quelle des ganzen christlichen Lebens ist. Höhere Gebetsformen gibt es auch deshalb nicht, weil sie der Höhepunkt ist.

 

Dies nochmals zu betonen ist Sinn und Zweck des heutigen Festes. Jesus sagt uns: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Zeit. Glaube ich persönlich und konkret, dass Er bei mir ist? Oder sind es mittlerweile Phrasen, die für mich keinen Inhalt mehr haben? Jesus sagt: Das ist mein Leib. Das ist mein Blut. Glaube ich, dass ich IHN empfange? Oder bin ich der Meinung, dass ich an einem Mahl teilnehme, wo das Brot der Geschwisterlichkeit verteilt wird? Als die Jünger Jesus sahen, so berichtet das Matthäusevangelium, warfen sie sich vor IHM nieder. Mit welcher Ehrfurcht betrete ich das Gotteshaus? Mit welcher Ehrfurcht empfange ich Jesus?

 

Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn, singen wir im Sanktuslied. Dies geschieht unmittelbar vor dem eucharistischen Hochgebet. Damit werden wir daran erinnert, dass Jesus leibhaft kommt im Namen des Herrn. Er will leibhaft in unser Leben eintreten, wie Er damals in die Stadt Jerusalem eingezogen ist. Wir wollen Ihn heute mit tieferer Freude (ich bitte Sie die schönen Blumenteppiche zu betrachten) und besonderer Ehrfurcht empfangen. Wenn wir unsere Bänke verlassen, um Ihn zu empfangen, erinnern wir uns an die Worte von Paulus an die Korinther: Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen. Damit wird deutlich, dass die Ausstrahlung nicht von uns, sondern lediglich von Ihm ausgeht.

 

Gleich nach der heiligen Kommunion werden wir eine kurze eucharistische Anbetung halten. In der gesamten Seelsorgeeinheit gibt es jeden Monat in jeder Kirche eine eucharistische Anbetung. Am Herz Jesu Freitag dauert sie in Frickenhausen eine ganze Stunde. Immer mehr Kirchengemeinden in Deutschland entdecken die stille Anbetung. Wie Pfarrer Hesse aus Kempten mir berichtete, hat die Anbetung seine Kirchengemeinde total verwandelt. Er konnte aus der Gemeinde 168 Männer und Frauen gewinnen, die bereit waren, jede Woche nur eine Stunde vor der Monstranz zu verbringen. Das Programm heißt deshalb 24 mal 7. Die größte Frucht der ewigen Anbetung ist, dass der Umgang miteinander sich geändert hat. Viele sogenannte Probleme (wer ist der Erste, wer ist der Größte, der ist der Beste) haben keinen Platz mehr in der Kirchengemeinde, weil alle auf Jesus und nicht mehr auf sich konzentriert sind.

 

Mit dem Heiligen Johannes Paulus II beten wir vor dem Allerheiligsten: „Mane nobiscum, Domine!“ Wie die beiden Jünger im Evangelium bitten wir Dich flehentlich, Herr Jesu: Bleibe bei uns!

Du, göttlicher Wanderer, Du kennst unsere Wege und unser Herz, lass uns nicht Gefangene der Finsternis werden.

Stütze uns, wenn wir müde sind, vergib uns unsere Sünden und lenke unsere Schritte auf den Weg des Guten.

Segne die Kinder, die Jugendlichen, die alten Menschen, die Familien und besonders die Kranken. Segne die Priester und Personen des geweihten Lebens. Segne die ganze Menschheit.

 

In der Eucharistie bist du „Medizin der Unsterblichkeit“ geworden. Schenke uns die Freude an einem Leben in Fülle, die uns hilft, auf dieser Erde als zuversichtliche und frohe Pilger zu wandeln, die ihren Blick immer auf das Ziel des Lebens richten, das kein Ende hat. Bleibe bei uns, Herr! Bleibe bei uns! Amen.

 

Pfarrer Achille Mutombo